Aus dem Kopf zurück in den Körper finden
Die Seele heilt langsamer als der
Körper
Dieses Thema ist etwas heikel und Bedarf deines ganzen
Feingefühls, denn wenn man stark traumatisiert ist, flüchtet
man sich normaler Weise in die Gedankenwelt, um die Realität
besser verkraften zu können. Nun den überaus mutigen Schritt zu
wagen den Spieß komplett umzudrehen, um heilen zu können,
bedarf deiner gesamten Sensibilität zu dir selbst. Zwinge dich
zu nichts. Wenn du eine innere Blockade spürst, wenn du dich
dem Thema annäherst, so lasse es vorerst wieder fallen und
beschäftige dich mit etwas anderem. Dann sind die Wunden
vielleicht einfach noch zu groß, zu frisch oder auf andere
Weise noch nicht bereit zu heilen.
Gib dir Zeit. Es geht nicht darum so schnell wie möglich zu
heilen, sondern nachhaltig wieder vollumfänglich gesund zu
werden.
Doch warum überhaupt den Spieß
umdrehen wollen?
Um dem Gehirn zu signalisieren, dass wir in Sicherheit sind,
müssen wir wieder vermehrt aus dem Kopf, also der eigenen
Gedankenwelt zurück in den Körper kommen. Denn wir sind nicht
unsere Gedanken, identifizieren uns allerdings meist mit ihnen.
Diesen Trugschluss zu durchbrechen ist ein wichtiger Schritt,
und zurück in den Körper zu finden ein wichtiges Werkzeug auf
diesem Weg. Doch manchmal können wir uns partout nicht auf das
fokussieren, was wir gerade tun, verlieren uns immer wieder in
Gedankenspiralen oder sind von Gefühlen derart überwältigt,
dass wir gar nicht mehr wissen wo oben und unten ist.
Natürlich stecken auch nicht stark traumatisierte Personen
manchmal einfach im Kopf fest, wenn die Amygdala zum Beispiel
mal wieder überreagiert oder eine Situation oder Begebenheit zu
überwältigend war, um diese auf einmal verdauen zu können
etc.pp.
Nachfolgend nun einige Hilfestellungen, um wieder zurück ins
Hier und Jetzt zu finden.
-
Barfuss spazieren gehen ➔ Durch die Reize,
die wir über die Fußsohlen aufnehmen, werden wir immer
wieder sanft in den Körper zurück geholt. Damit kommen wir
aus den Gedankenschleifen heraus, welche durch diese Übung
sehr gut durchbrochen werden können. Wenn es kalt ist oder
du in der Stadt wohnst, funktioniert die Übung auch mit
dünnen Sohlen auf unebenen Wegen z.Bsp. Schotterstraßen
oder Kopfsteinpflaster.
-
Bewegung ➔ Generell ist jede Art von
Bewegung hilfreich, da sie überaus stimulierend auf den
Körper wirkt. Wichtig ist dabei jedoch die Bewegungen
kraftvoll und schwungvoll auszuführen, egal für welche du
dich letztendlich entscheidest. Wenn du zum Beispiel
spazieren gehen möchtest, so tue dies voller Elan, den
Blick geradeaus bzw. auf deine Umgebung gerichtet. Denn
wenn du mit gesenktem Blick, hängenden Schultern und
schlurfend durch die Gegend tappst, signalisierst du deinem
Gehirn nur, dass es dir nicht gut geht, was ja zu nichts
führt. Also, Brust raus, Kopf hoch und los geht es.
-
Kälte ➔ Kälte hat einen wunderbaren Effekt
auf unser Nervensystem. Es stimuliert dies dermaßen gut,
dass der Parasympathikus quasi sofort aktiviert wird und
wir ohne Umschweife zurück ins Körperbewusstsein kommen.
Man muss kein Eisbad nehmen, um diesen Effekt zu erzielen,
obwohl es eine wahre Wohltat für alle Sinne ist und man
sich entspannt fühlt wie nie zuvor, aber es reicht auch
eine relativ kalte Dusche aus. Dusche einfach normal und
drehe dann das Wasser etwas kälter, bis du dich daran
gewöhnt hast, was ca. 30-60 Sekunden dauert. Dann drehe
wieder etwas kälter etc. bis dein Körper dir schließlich
signalisiert, dass es nun kalt genug ist. Auch Eisbäder für
Hände oder Füße reichen mitunter schon aus. Probiere dich
einfach durch und schau, was am Besten zu dir passt.
-
Atemübungen ➔ sie verändern die Biochemie
unseres Gehirns und lassen uns so wieder klarer und
fokussierter werden. Schau gerne
hier nach einer geeigneten Übung für dich. Jede der
dort aufgelisteten Praktiken ist dafür geeignet.
-
Perspektivwechsel ➔ Mache einfach etwas
völlig anderes von dem, was du gerade tust. Wenn du dich in
deiner Wohnung gedanklich im Kreis drehst, gehe stramm
spazieren und versuche dabei tief in den Bauch zu atmen.
Nach 30 Minuten kommt man durch die Bewegung an der
frischen Luft meist von selbst aus den Gedanken heraus.
Achte nun bewusst auf Kleinigkeiten, die du wahrnimmst. Das
könnte die Beschaffenheit eines Blattes sein oder die
Unebenheiten die du mit den Füßen wahrnimmst. Durch diese
Körperwahrnehmungen verankerst du dich wieder vermehrt im
Hier und Jetzt.
-
Brennessel-Baden ➔ klingt erstmal nicht
wirklich verlockend, holt dich aber definitiv wieder
nachhaltig in den Körper zurück. Am Anfang kostet es
vielleicht Überwindung, da es natürlich kurz etwas
schmerzt, doch geht es mir eher um den nachhaltigen Effekt,
denn es brennt wirklich nur kurz, kribbelt jedoch noch
lange Zeit nach und deine Beine (oder Arme) fühlen sich
dadurch wunderbar lebendig an. Gehe einfach mit kurzer Hose
durch Brennesseln oder stecke deine Arme in einen
Brennesselbusch. Du kannst die Pflanzen natürlich auch mit
nach Hause nehmen und es dort anwenden.
-
Wichtiger
Hinweis: Jeder Organismus reagiert
etwas anders. Daher probiere es bitte nicht sofort
vollumfänglich aus, sondern erst ein wenig. Wenn du
Ausschlag bekommen solltest oder es hartnäckig
juckt, ist diese Praktik leider nichts für dich.
Aber zum Glück gibt es ja noch haufenweise andere.
-
Geschmacksknospen einsetzen ➔ je nachdem
womit du diese Praktik ausübst, ist der Effekt kurz- oder
langlebig.
-
In eine Zitrone beißen: ich denke
das erklärt sich von selbst. Es ist eher kurzlebig,
aber sehr effektiv.
-
Salz lecken: auch das dürfte sich
von selbst erklären.
-
Bitterkräuter: Davon gibt es jede
Menge der unterschiedlichsten Art. Ich denke Wermut
ist mit eines der Unangenehmsten und hält sich
relativ lange im Mund. Du kannst aber auch in
Löwenzahn, Enzian, Schafgarbe, Beifuß oder
Tausendgüldenkraut beißen, sofern sie irgendwo in
deiner Nähe wachsen. Falls nicht, gibt es sie auch
als Tees, Säfte oder Tropfen und helfen nebenbei
noch bei der Verdauung.
Perpektivwechsel durch
einen Außenstehenden
- Du kannst jemanden
anrufen und dein Problem/deine Lage schildern.
Meist hilft eine Draufsicht von Außen, der Kontakt zu einer
anderen Person, dass einfach jemand zuhört und vielleicht sogar
etwas hilfreiches zu sagen hat. Mache dir am Besten eine Liste
von Personen, die du anrufen könntest und schreibe dir daneben,
für welche Lage diese Person geeignet ist. Denn jeder ist
anders und das Problem A bespricht man vielleicht lieber mit
einer anderen Person als Das Problem B. Da man, wenn einem der
Kopf schwirrt nicht mehr wirklich gut nachdenken kann, ist es
hilfreich eine solche Liste schon einmal im Vorfeld zu machen.
Wenn du nicht weißt, wen du anrufen könntest, gibt es auch
öffentliche Einrichtungen, die anonym mit dir sprechen z. Bsp.
die Telefonseelsorge oder ein Krisendienst
- Wenn du gerade mit niemandem sprechen möchtest, hilft es
manchmal auch einfach jemanden zu hören oder zu
sehen. Das geht sehr gut mit Audios oder
Videos. Diese kannst du dir entweder selbst
erstellen, um quasi persönlich mit dir zu sprechen oder es
helfen Aufzeichnungen von jemandem, der dir sehr gut tut und
eine beruhigende Wirkung auf dich hat. Mich hat immer die
Stimme und ruhige Art und Weise von Byron Katie getröstet und
so hat sie oft aus ihrem Hörbuch zu mir gesprochen. Visuell
schaue ich gerne Dan Buglio zu wie er in seiner wunderbaren Art
erklärt, warum man gerade ausflippt und das alles völlig in
Ordnung mit einem ist, auch wenn es sich nicht danach anfühlt.
Doch hier hat ja jeder sehr individuelle Bedürfnisse, deshalb
nur diese zwei Beispiele an der Stelle. Du findest sicher auch
das Richtige für dich.
- Wenn du gerade nichts zur Hand hast, was du hören oder
sehen könntest, hilft auch die DARE-App
deine Perspektive wieder wechseln zu können. Dort gibt es auch
Dateien, die man sich herunterladen kann, für den Fall, dass
man sie mal offline benötigt.
-
Sprich
mit dir selbst ➔ das klingt vielleicht
erstmal merkwürdig, doch wenn ich nicht weiter wusste, habe
ich mir einfach selbst
Sprachnachrichten geschickt und alles
geschildert, erklärt etc. was gerade los ist. Somit hast du
den Vorteil, dass wenn du es dir im Anschluss anhörst, du
die Perspektive des Beobachters einnimmst und meist sofort
weißt, wie du dir selbst helfen kannst. Zudem bist du
einmal alles losgeworden, was dich gerade bedrückt und das
ist auch immer sehr viel wert.